Vom Freiwilligen Sozialen Jahr im Sport – zum Sportstudium?

(c) LSB NRW | Foto: Andrea Bowinkelmann

 KOMMENTAR

In soziologisch fachgerechter Sprache wird die Beendigung der Schulzeit als eine Statuspassage
bezeichnet. Für viele Jugendliche stellt sich genau dann aber auch die Frage: was nun? Viele
haben noch keine Vorstellung, geschweige denn eine feste Entscheidung getroffen, wie es jetzt
weitergehen soll: eine Ausbildung machen oder ein Studium beginnen? Und wenn schon studieren:
welche Fächer und mit welchem beruflichen Abschlussziel?

Genau an dieser Statuspassage beginnen dann Sportstudierende oft ihre schriftlichen Berichte,
die sie während des Studiums im Fach Sportwissenschaft an den meisten Universitätsstandorten
für den Nachweis eines Praktikums zur Berufsfelderkundung im Sport anfertigen müssen. Sie
erzählen dann davon, wie sie ausgerechnet dazu gekommen sind, ein Lehramtsstudium mit dem
Unterrichtsfach Fach aufzunehmen. Das sind dann nämlich genau jene Sportstudierende, die sie
sich gerade wegen der kurzzeitigen Orientierungslosigkeit in der Berufsfindung nach Beendigung
der Schule für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Sport entscheiden haben.

Davon haben sie meist im Sportverein gehört haben, weil sie selbst dort aktiv sind. Rückblickend
auf dieses FSJ, das als des Berufsfeldpraktikum angerechnet wird, schreiben diese Sportstudierenden
dann beiläufig darüber, wie wichtig ihnen diese Zeit auch sportfachlicher Arbeit im Sportverein
und meistens auch parallel dazu in der Schule gewesen ist. Diese Zeit hat offensichtlich
entscheidend dazu beigetragen, ein Studium im Fach Sport (zusammen mit einem weiteren Unterrichtsfach) aufzunehmen, um die Profession als (Sport-) Lehrkraft anzustreben.

Das Fach Sport als Lehramt für die Schule (z.B. am Gymnasium) kann man in Deutschland an
rund 60 Standorten aufnehmen. Fast alle verlangen aber vor Aufnahme des Studiums einen
Nachweis der fachlichen Eignung, der in aller Regel über ausgewählte sportpraktische Leistungen
(z.B. im Kugelstoßen) nachzuweisen ist. In diesem Zusammenhang stellt sich nun die Frage:
Wenn die Ableistung eines FSJ schon für die Absolvierenden selbst einen pädagogischen „Mehrwert“
für die Berufsfindung darstellt, könnte man dann nicht zumindest einmal darüber nachdenken,
dieses FSJ als eine besondere Nachweisform der fachlichen Eignung für ein Sportstudium
anzuerkennen?

Denn: Was ist „mehr wert“, später eine gute Sportlehrkraft zu sein? Das Bestehen eines Eignungstests mit Leistungen, die zukünftig im Beruf kaum noch abgerufen werden müssen, oder aber z.B. auch der Nachweis des FSJ, bei dem die „Berufung“ zur Neigung für eine Lehrtätigkeit bereits am eigenen Leibe ein Stück weit erfahren und von den Betroffenen selbst erkannt wurde?

Als Fazit derweil nur soviel: Eine Einstiegsmöglichkeit zur Berufsfindung mit Sport kann das FSJ
so oder so sein!

Prof. Detlef Kuhlmann

Quelle: DOSB-Presse 03/2019

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